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Glatte Leinwand - Oberfläche für detailierte und feine Arbeiten präparieren

Handelsübliche Leinwände, oder genauer gesagt bespannte Keilrahmen, haben als Bildträger viele Vorteile. Sie sind leicht, widerstandsfähig und machen sich auch ohne Rahmen gut an der Wand. Von Acryl- und Ölmalerei bis hin zu schweren, strukturierten Arbeiten lassen sich darauf eine Vielzahl von Ideen umsetzen. Die Rauheit der Gewebestruktur von Leinwänden stellt für viele Maltechniken kein Problem dar. Bei sehr genauen Arbeiten, dort wo feine Details oder weiche Farbübergänge erwünscht sind, stößt man jedoch schnell an die Grenzen des machbaren. Natürlich gibt es auch sehr feine Gewebearten mit einer glatteren Oberfläche. Diese sind oft teurer und für einige Arbeiten immer noch zu rau.

 

Da ich für einige meiner Arbeiten eine möglichst glatte Oberfläche bevorzuge, habe ich in diese Richtung schon einiges experimentiert. Einige meiner Bilder male ich auf sogenannte Hartfaserplatten. Diese ungefähr drei bis vier Millimeter dicken Holzplatten haben eine absolut glatte Oberfläche und sind sehr preisgünstig in fast jedem Baumarkt zu haben. Oft kann man sich dort sogar das gewünschte Format zuschneiden lassen. Diese müssen dann nur noch mit Gesso grundiert werden. Das geschieht am leichtesten mit Hilfe einer kleinen Schaumstoffwalze.

 

Für genaue Arbeiten sind die dünnen Hartfaserplatten die bessere Alternative gegenüber Leinwänden. Will man seine Werke aber in Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentieren, haben die Platten den großen Nachteil, dass dies nur mit Hilfe einer Rahmung möglich ist. Eine vernünftige Rahmung kostet viel Geld, was dann schnell wieder zu den Leinwänden zurück führt. Ein bespannter Keilrahmen hat meist eine Tiefe von 2cm oder mehr, dadurch lässt er sich gut ohne kostspieligen Rahmen präsentieren.

Um nun das Gewebe so zu präparieren, dass es eine möglichst glatte Oberfläche bekommt, habe ich mittlerweile eine gut funktionierende Lösung gefunden.

 

Es ist eigentlich ganz simpel:

Dazu mischt man eine einfache Spachtelmasse mit ein wenig weißer Acrylfarbe und etwas Wasser, bis eine leicht zu verstreichende, aber nicht zu flüssige Masse entsteht. Diese wird auf die Leinwand aufgetragen und mit einem elastischen Gummispachtel gleichmäßig verteilt. Da während des Verstreichens die Masse etwas anzieht und es dadurch immer schwieriger wird eine gleichmäßige Fläche hinzubekommen, ist es sehr hilfreich, das Gemisch mit einer Wasser-Sprühflasche feucht zu halten. Das Ganze erfordert etwas Übung. Man kommt aber recht schnell zu einem guten Ergebnis. Nach dem trocknen lässt sich die versiegelte Leinwand mit einem Schleifpapier bearbeiten, wodurch die Oberfläche noch feiner wird. Das Ergebnis kann mit einer zweiten aufgetragenen Schicht noch verbessert werden. Die fertig präparierte Leinwand hat dadurch eine nicht mehr so stark saugende Oberfläche, was die Trocknung von Acrylfarben während des Malvorgangs ein wenig hemmt. Zudem lassen sich so weichere Farbübergänge und Wischeffekte erzielen. Ebenso werden feine Details nicht mehr von der Gewebestruktur verzerrt.

Kurz zusammengefasst

Für die hier beschriebene Leinwand-Präparatur benötigst Du folgende Hilfsmittel:

- Spachtelmasse (ohne Strukturmittel wie z.B.: Quarzsand)

- beliebige Acrylfarbe

- elastischer Gummispachtel

- Wasser

- Becher zum anrühren (Gipsbecher)

- Sprühflasche mit Wasser

 

Sollte jemand ähnliche oder andere Erfahrungen zum Thema haben, können diese hier gerne mitgeteilt und diskutiert werden.

 

Hier im GuggART-Blog gibt es außerdem noch andere Techniken und schrittweise Erklärungen, die zeigen, wie meine Gemälde entstehen. Schau vorbei.


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Kommentare: 7
  • #1

    kunstwutz (Samstag, 15 März 2014 17:22)

    Um auf der Spachtelmasse die zu vermalenden Farben noch länger offen zu halten kann diese mit Tiefengrund verfestigt werden!:-)

  • #2

    ART and AIR (Samstag, 05 September 2015 11:10)

    Das ist eine super Idee und dabei so einfach :-) Gerade auch für feine Airbrush(mix)arbeiten sicher eine gute Lösung. Werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.
    Eine Frage zur Spachtelmasse habe ich noch. Benutzt du eine handelsübliche aus dem Baumarkt oder aus dem Künstlerbedarf?

  • #3

    Thomas Guggemos (Samstag, 05 September 2015 11:20)

    Genau, für Airbrush-Arbeiten sind glatte Malgründe sehr vorteilhaft.
    Spachtelmasse auf jeden Fall in Künstlerqualität benutzen. Möglicherweise führen manche Baumärkte so etwas.
    Viel Spass beim Ausprobieren.

  • #4

    mbn (Sonntag, 15 November 2015 11:39)

    Ist diese Behandlung der Leinwand denn auch für die Ölmalerei geeignet, oder versperrt diese Grundierung zu sehr den Untergrund?

  • #5

    Thomas Guggemos (Sonntag, 15 November 2015 12:45)

    Wenn detailliertes Arbeiten gewünscht ist kann natürlich diese Art von Grundierung auch für Ölmalerei verwendet werden. Diese Behandlung ist eben dazu da, um die Gewebestruktur zu versiegeln und somit den Malgrund zu glätten.

  • #6

    Heiko Albig (Donnerstag, 09 Juni 2016 12:07)

    Das klingt wie eine Gipsmasse. Kann das nicht irgendwann austrocken und bröckeln?

  • #7

    Thomas Guggemos (Donnerstag, 09 Juni 2016 22:02)

    Hallo Heiko
    In dieser Beschreibung wird Spachtelmasse verwendet. Spachtelmasse ist nicht zu verwechseln mit Gips oder ähnlichem. Gips würde natürlich wieder herunter bröseln...