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Der Bildaufbau in Acryl - Schwarzmalerei und Sonnenseite

Acrylmalerei von Thomas Guggemos, Fliege Farbe grün
Acrylmalerei - eat green

Man kann im stillen Kämmerlein malen und seine Arbeiten vor der Öffentlichkeit verstecken. Man kann auch Kunst schaffen, der Öffentlichkeit zeigen, aber aus dem Schaffensprozess ein großes Geheimnis machen.

Kunst ist meiner Meinung nach etwas lebendiges, etwas das sich entwickelt, wenn man sich austauscht. Ich will nichts verstecken oder verheimlichen. Deshalb werde ich hier im GuggART-Blog immer wieder Einblicke in meine unterschiedlichen Vorgehensweisen und Maltechniken geben. Es sollen Hilfestellungen und Tipps für andere Kunstschaffende sein. Die Techniken darf man sich gern abschauen, um die Bildidee muss sich jeder selbst kümmern.

Bildaufbau für Acrylmalerei von Thomas Guggemos
zuerst war das Weiß

In diesem ersten Beitrag über eine meiner Vorgehensweisen, möchte ich einen groben Überblick geben, wie man ein Bild aufbauen kann. Für meine Bilder verwende ich hauptsächlich Acrylfarben. Der große Vorteil leigt für mich darin, dass Acrylfarben schnell trocknen und man die Farben schichten kann wie man es braucht.

In diesem Beispiel wird das Bild von hinten nach vorne gemalt. Das heißt, dass man mit dem Hintergrund anfängt und sich schichtweise in den Vordergrund arbeitet. Auf dem ersten Foto ist es beispielsweise ein schlichter, abgestufter Hintergrund, der auf eine weiß grundierte Leinwand aufgetragen wurde. Nachdem das eigentliche Motiv vorskizziert ist, werden die hellen Bereiche, also diese, die im Bild dem Licht zugewand sind, mit weißer Farbe ausgefüllt. Das Ganze mit einem größeren Pinsel. Details werden später ausgearbeitet.

Untermalung mit Acrylfarben von Thomas Guggemos
Die dunkle Seite

Das Gleiche passiert mit der Schattenseite, jedoch mit einer schwarzen Farbe. Auch hier erst ganz grob, später dann feiner. Nachdem das Bild die ersten Züge annimmt und schon ein wenig plastisch wirkt, werden auch noch die Mitteltöne mit grauer Farbe bearbeitet. Hier wird dann detailierter gearbeitet. Es kommen verschiedene Grautöne dazu. Je näher auf der Lichtseite desto heller der Grauton. Daran kann solange gearbeitet werden, bis man ein plastisches Schwarzweiß-Bild vor sich hat.

Bildaufbau - Die ersten Farbschichten in Acryl, Thomas Guggemos
aus schwarzweiß wird bunt

Der dritte Schritt bringt Farbe ins Spiel. Genau so, wie früher schwarzweiß Fotografien koloriert wurden, wird nun das Acrylbild mit Farbe zum Leben erweckt. Umso genauer die hellen und dunklen Bereiche ausgearbeitet wurden, desto einfacher wird das Kolorieren des Bildes. Während Schwarz und Weiß beliebig dick und deckend aufgetragen werden konnte, muss man sich bei der Farbe auf eine lasierende Malweise beschränken. Die schwarzweiße Vorarbeit soll schließlich durch die Farbe hindurch sichtbar bleiben. Auch hier werden erst die entsprechenden Bereiche gorb mit den Grundfarben des Bildes aufgetragen.

Bildaufbau - plastische Wirkung mit Acrylfarben, Thomas Guggemos
bis ins Detail

Nach und nach, mit zunehmenden Details, werden die Farbabstufungen immer feiner ausgearbeitet. Dabei ist nicht zu vergessen, dass der farblose Untergrund duch die Farbschichten hindurch sichtbar bleiben sollte. Desshalb empfiehlt es sich, die Acrylfarben gut verdünnt aufzutragen und möglichst nicht deckende Farben zu verwenden.

Zu guter Letzt, um einen höheren Kontrast in das Bild zu bringen, werden Glanzlichter mit weißer, oder entsprechend hellen Farbe herausgearbeitet. Dunkle Schatten werden mit schwarzer, oder entsprechend dunklen Farbe bearbeitet.

 

Es ist oft wesentlich einfacher ein Bild zu gestalten, indem man diese eben beschriebene Technik anwendet. Gerade bei der realistischen Malerei kann das hilfreich sein. Zu Beginn muss nämlich nur in Schwarz und in Weiß gedacht werden. Würde man sofort mit der Farbe beginnen, müsste man sich neben Hell und Dunkel gleichzeitig auf die Farbabstufungen konzentrieren.

Die hier gezeigten Beispielbilder demonstrieren den Fertigungsprozess des Bildes "Eat green", welches in der Galerie zu finden ist.

 

 Hier im GuggART-Blog gibt es außerdem noch andere Techniken und schrittweise Erklärungen, die zeigen, wie meine Gemälde entstehen. Schau vorbei.


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Kommentare: 4
  • #1

    Margarita Siebke (Samstag, 09 November 2013 22:35)

    Danke, das ist eine sehr schöne Zusammenfassung des klassischen Bildaufbaus. Er ist mir bekannt, wobei die Details bei jedem Künstler etwas abweichen und da wird es spannend. Ich fand es eine schöne Anregung, die Farbe lasierend zu arbeiten. Bei meinen Ölbildern mit entsprechendem Bildaufbau habe ich das nicht so gemacht, sondern noch andere Schichten zwischengeschoben, bis die schwarzweiß-Schicht, die ich in Kohle gemalt hatte, nicht mehr zu sehen war. Das ist auch eine Möglichkeit.
    Danke für den anregenden Beitrag.

  • #2

    Guggemos Thomas (Freitag, 06 Dezember 2013 15:14)

    Hallo Margarita
    Danke für Deinen Beitrag. Natürlich hat jeder eine andere Vorgehensweise und Erfahrungen gesammelt, mit welcher ein Bildaufbau leichter von der Hand geht. Wie Du bereits geschrieben hast, soll dieser Bericht von mir nur eine Anregung sein, die vielleicht einiges erleichtert. Das Ganze ist auch modifizierbar ;-)
    Viele Grüße
    Thomas Guggemos

  • #3

    Bettina Simon (Dienstag, 24 Mai 2016 21:41)

    Hallo Thomas,
    ich finde deine Werke sehr beeindruckend und kreativ.
    Das Bild mit der Fliege ist mein Lieblingsbild.
    LG B.Simon

  • #4

    sara alias sgkunst (Donnerstag, 17 August 2017 15:21)

    Sehr schön erklärt. So ist es klassisch gedacht. Ich selbst habe mir aber noch nie Gedanken darum gemacht. Wenn ich zu Farben greife, wird die Musik laut aufgedreht und dann versinke ich in meiner eigenen Welt - dass nebenher etwas tolles entsteht, verstehe ich manchmal selbst nicht ;)

    Ich finde Acryl so toll, weil es so unkompliziert ist. Man kann so viele verschiedene Techniken mit diesem Material anwenden. Selbst Anfänger kommen damit klar.

    Das Bild mit der Fliege ist total schön. Obwohl mich die fetten Viecher zu Hause gerade total nerven :/

    Liebe Grüße > sara